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Bob Grandison 16. Mai 1942 -  19. März 2025
Bob Grandison 16. Mai 1942 - 19. März 2025

Wir alle hatten in den letzten Wochen gehofft und gebetet, dass es anders kommen würde. Doch Bob Grandison unterlag am Mittwoch einer kurzen aber schweren Krankheit im Alter von 82 Jahren.


"Wir haben mit tiefer Betroffenheit vom Tod unseres allseits beliebten Bob Grandison erfahren. Er war und bleibt eine Legende des Golfsports. Wir werden ihn sehr vermissen. Unser herzliches Beileid gilt seiner Ehefrau und seiner ganzen Familie", sagt unser Clubpräsident Jürgen Stank.


Bob zu Ehren veröffentlichen wir hier einen 2016 in der WAZ erschienenen Zeitungsartikel, den Bob besonders mochte. Hier erklärt er seinen Weg zum Golf und seine Einstellung zu der von uns allen so geliebten Sportart. Alle, die nicht das große Glück hatten, ihn persönlich kennenzulernen, erfahren hier ein wenig mehr über einen ganz besonderen Menschen.


Bob Grandison: Der Mann mit dem goldenen Händchen


Als Bob Grandison in den 1970er Jahren als Soldat der britischen Streitkräfte nach Deutschland kam, machte er sich auf einige unliebsame Umstellungen und Konfrontationen mit teutonischen Eigenheiten gefasst. Der deutschen Ordnungsliebe hielt der Schotte erfolgreich Stand. Grandison tüftelt auf der Golfanlage des GC Schwarze Heide Kirchhellen in einer herrlich chaotischen Werkstatt. Schläger von der Stange werden dort nach allen Regeln der Kunst auf die persönlichen Anforderungen der Golfer konfektioniert.


In Edinburgh in der Nähe eines Golfplatzes aufgewachsen


Von göttlicher Fügung will Bob Grandison nicht sprechen. An den Moment, als ihn das Golfspiel packte, kann er sich gar nicht genau erinnern: „Ich bin in der Nähe von Edinburgh groß geworden, direkt neben einem Golfplatz. Da führte eins zum anderen“, sagt der 75-Jährige. Nicht ungewöhnlich, denn: „Alle Schotten wohnen direkt neben einem Golfplatz. Wir haben das Spiel erfunden, vor über 600 Jahren“, sagt Grandison mit einer Stimme, der man die Vorliebe für den weichen Whisky der Highlands anhört.

Grandison fährt sich lachend mit der Hand durch den ergrauten Bart: „die Legende sagt, Schafhirten hätten sich mit ihrem Stock und ein paar Steinen die Zeit vertrieben. Ob’s stimmt? Das ist nicht wichtig.“


Bob Grandison in seiner Werkstatt. Foto: WAZ, Michael Korte
Bob Grandison in seiner Werkstatt. Foto: WAZ, Michael Korte

Als Kind im See nach verschlagenen Bällen getaucht


Auch Grandison hat sich in seinem Leben viel Zeit mit dem Golfspiel vertrieben. Als Kind tauchte er im See nach verschlagenen Bällen, reinigte sie mit Mutters Bleiche: „Damit ließen sich ein paar Pennies verdienen“, sagt Grandison .Er war sechs Jahre alt, als ihm ein Golfer einen Schläger schenkte, acht als ein anderer ihm das kleine Ein-Mal-Eins der Reparaturen beibrachte: „Damals spielte man mit Schlägern aus Hickory-Holz. Die hatten Griffe aus Leder und haben ewig gehalten.“


Der Wunsch des Brigadegenerals


Als Grandison Anfang der 1960er Jahre zum Militär ging, verschaffte ihm das Spiel eine kleine Sonderstellung. „Der Brigadegeneral wollte mich. Er wusste, dass ich spiele. Ich bin oft mit ihm auf dem Golfplatz gewesen“, erinnert sich Grandison. In Singapur, Malaysia und Borneo, überall wo die Briten gerade stationiert waren.


Der Vorgesetzte war nicht Grandisons einziger Schüler. Drei Jahrzehnte lang gab er Golfunterricht. Dann streikte immer häufiger der Körper. Grandison: „Mein Arzt hat mir gesagt, ich würde früher oder später Arthrose bekommen. Er hatte Recht.“


Der Krankheit folgt die Konzentration auf den Schlägerbau


Der schmerzhafte Gelenkverschleiß bedeutete aber nicht das Ende: „Ich habe angefangen, Golfschläger zu bauen und meine handwerklichen Fähigkeiten zu verbessern. Ich habe Seminare besucht, Bücher gewälzt und ausprobiert. Learning by doing, wie wir sagen.“ Der Schotte eröffnete ein Geschäft und machte sich schnell einen Namen. Viele seiner Kunden behaupten, er habe ein goldenes Händchen. Trotz Arthrose.


Bob Grandison vor seiner Werkstatt. Foto: WAZ, Michael Korte
Bob Grandison vor seiner Werkstatt. Foto: WAZ, Michael Korte

Grandisons Werkstatt und Geschäft liegen mittlerweile auf der Anlage des Golfclubs Schwarze Heide. Auf der Fläche einer Doppelgarage hämmert, sägt und schleift Grandison so lange an den Schlägern herum, bis sie perfekt zu ihrem Eigentümer passen. Auf Werkbänken stapeln sich Schlägerköpfe, in den Regalen lagern Schäfte aus Stahl und Graphit, Schubladen voller Kleinteile. In jeder Ecke reihen sich Mess- und Spezialwerkzeuge, Maschinen und Materialien aneinander.


Alle Einzelheiten müssen mit dem Spieler in Einklang gebracht werden


Es gibt viel zu tun und zu beachten: Die Schlägerlänge, der Winkel der Schlagfläche, der Griff und die Flexibilität des Schaftes beeinflussen die Spieleigenschaften enorm. Erst nachdem all das mit dem Spieler in Einklang gebracht ist, kommen die beiden anderen Faktoren ins Spiel: Glück und Talent. Hier enden Grandisons Möglichkeiten.

Die schwerste Prüfung im Leben


Der Schotte hat viel über Deutschland erfahren und vieles über die Deutschen gelernt. Aus dem Staunen kommt er aber auch nach über vier Jahrzehnten nicht heraus. Über die Platzreife, die in Deutschland zwingend nachgewiesen werden muss, um Golf spielen zu dürfen, macht er sich unverhohlen lustig: „Ihr unterzieht Euch von Kindesbeinen an allen möglichen Prüfungen. Ihr geht zur Schule, studiert und erlernt einen Beruf. Dann steht ihr mit beiden Beinen mitten im Leben, und dürft immer noch nicht Golf spielen. Was ist los mit Euch? It’s only a game with a ball and a stick!“

 
 
 
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